Wie lüftet man im Winter richtig?
Wie lüftet man im Winter richtig? Stoßlüften, Querlüften und Heizen im Zusammenspiel, mit Zeiten pro Raum und einer Checkliste gegen Schimmel.
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Draußen ist es kalt, drinnen ist die Heizung teuer, und trotzdem beschlagen morgens die Scheiben. Wie lüftet man im Winter richtig, ohne Wärme zum Fenster hinauszuheizen und ohne Schimmel in den Ecken zu riskieren? Hier finden Sie die Antwort mit Zeiten, Raumtemperaturen und einer Checkliste für jeden Tag.
Wie lüftet man im Winter richtig, und warum gerade jetzt?
Im Winter ist richtiges Lüften wichtiger als in jeder anderen Jahreszeit. Das klingt zunächst widersprüchlich. Schließlich sind die Fenster meist zu, und niemand will kalte Luft hereinlassen. Genau darin liegt aber das Problem: In geschlossenen Räumen sammelt sich Feuchtigkeit.
Ein Haushalt gibt jeden Tag viel Wasserdampf ab. Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Zimmerpflanzen und der eigene Atem tragen dazu bei. Für einen Vier-Personen-Haushalt wird häufig ein Richtwert von rund zehn Litern pro Tag genannt. Dieses Wasser muss irgendwohin. Bleibt es in der Raumluft, schlägt es sich an den kältesten Stellen nieder: an Fensterlaibungen, Außenwandecken und hinter Schränken.
Dort entsteht Schimmel. Er braucht dauerhaft feuchte Oberflächen und ein paar Wochen Zeit. Für die Raumluft gilt deshalb eine einfache Orientierung: Die relative Luftfeuchtigkeit sollte im Winter zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Liegt sie über längere Zeit darüber, steigt das Risiko deutlich.
Der Winter hat aber auch einen Vorteil, den viele unterschätzen. Kalte Luft enthält sehr wenig Wasser. Ein Kubikmeter Luft kann bei 0 °C höchstens knapp 5 Gramm Wasserdampf aufnehmen, bei 20 °C dagegen gut 17 Gramm. Wenn Sie kalte Außenluft hereinlassen und sie sich im Raum erwärmt, wird sie relativ trocken. Sie kann dann Feuchtigkeit aufnehmen und beim nächsten Lüften wieder nach draußen tragen. Lüften im Winter ist also besonders wirksam, solange Sie es richtig machen.
Stoßlüften und Querlüften: Die wirksamsten Techniken
Die Stoßlüftung ist der Goldstandard. Sie öffnen ein oder mehrere Fenster vollständig für wenige Minuten und schließen sie danach wieder. In dieser kurzen Zeit wird die feuchte Raumluft ausgetauscht, während Wände, Böden und Möbel ihre Wärme behalten. Nach dem Schließen erwärmt sich die frische Luft deshalb schnell wieder.
Wie lange? Das hängt von der Außentemperatur ab:
| Außentemperatur | Dauer pro Stoßlüftung |
|---|---|
| unter 0 °C | 3 bis 5 Minuten |
| 0 bis 10 °C | 5 bis 10 Minuten |
| über 10 °C | 10 bis 15 Minuten |
Und wie oft? Als Faustregel gilt: drei- bis viermal am Tag, dazu nach jeder Tätigkeit, die viel Feuchtigkeit erzeugt. Wer tagsüber außer Haus arbeitet, lüftet morgens nach dem Aufstehen, nach der Rückkehr und vor dem Schlafengehen. Im Homeoffice kommt eine Runde am Mittag dazu.
Noch schneller geht es beim Querlüften. Sie öffnen dabei zwei gegenüberliegende Fenster oder ein Fenster und eine Tür auf der anderen Seite der Wohnung. Der Durchzug tauscht die Luft in zwei bis drei Minuten aus. Das spart Wärme. Bei Frost reicht diese Zeit völlig.
Kurz und weit offen ist besser als lange und gekippt. Wände und Möbel behalten die Wärme, nur die Luft wird ausgetauscht.
Richtig heizen und lüften: Ein eingespieltes Team
Lüften und Heizen gehören zusammen. Wer nur eines von beiden richtig macht, bekommt trotzdem Probleme. Der wichtigste Handgriff vor dem Lüften: Drehen Sie das Thermostatventil am Heizkörper zu, also auf null oder das Sternsymbol für den Frostschutz. Sonst misst der Fühler die kalte Luft und öffnet das Ventil voll. Dann heizen Sie gegen das offene Fenster.
Nach dem Schließen stellen Sie das Ventil wieder auf die gewohnte Stufe. Die Raumtemperatur ist dann in wenigen Minuten wieder erreicht. Wie heizt man richtig? Häufig empfohlen werden diese Richtwerte:
- Wohnzimmer und Arbeitszimmer: etwa 20 °C
- Küche: etwa 18 °C
- Schlafzimmer: 16 bis 18 °C
- Bad: etwa 22 °C, solange es genutzt wird
Jedes Grad weniger senkt den Heizenergiebedarf spürbar; oft wird eine Größenordnung von rund sechs Prozent pro Grad genannt. Kühler als etwa 16 °C sollten bewohnte Räume aber nicht werden. Kalte Wände sind anfälliger für Tauwasser und damit für Schimmel.
Ein zweiter Punkt betrifft die Türen. Halten Sie die Türen zwischen warmen und kühlen Räumen geschlossen. Wer das Schlafzimmer über die offene Wohnzimmertür mitheizt, trägt feuchte, warme Luft in den kühlen Raum. Sie kondensiert dort an der kalten Außenwand.
Achten Sie außerdem darauf, dass die Heizkörper frei bleiben. Lange Vorhänge, Möbel direkt davor oder eine Verkleidung ohne Luftschlitze stauen die Wärme. Wer Leitungen sauber verstecken möchte, findet in der Anleitung zum Heizungsrohre verkleiden mit Sockelleisten eine Lösung, bei der die Wärme trotzdem in den Raum kommt.
Wie lüfte ich richtig? Tipps für jeden Raum
Jeder Raum hat seine eigene Feuchtigkeitsquelle. Deshalb lohnt es sich, das Lüften an die Räume anzupassen.
Bad und Küche
Im Bad entsteht beim Duschen in wenigen Minuten sehr viel Feuchtigkeit. Lüften Sie direkt danach stoßweise und halten Sie die Badtür dabei geschlossen, damit der Dampf nicht in die Wohnung zieht. Ziehen Sie Fliesen und Duschwand mit einem Abzieher ab. Das ist ein Handgriff von einer Minute, und das Wasser landet im Abfluss statt in der Luft. In der Küche gilt dasselbe beim Kochen: Deckel auf die Töpfe, Dunstabzug einschalten und nach dem Kochen kurz lüften.
Schlafzimmer
Nachts geben schlafende Menschen über Atem und Haut Feuchtigkeit ab. Morgens ist das Schlafzimmer deshalb der Raum, der zuerst gelüftet werden sollte. Schlagen Sie dabei die Bettdecke zurück, damit auch Matratze und Decke abtrocknen. Wie sehr eine Matratze Feuchtigkeit aufnimmt, hängt auch von ihrem Aufbau ab; darauf geht der Beitrag Welche Matratze ist die Richtige ein.
Sollte man das Fenster nachts kippen? Im Winter rate ich davon ab. Ein gekipptes Fenster kühlt über Stunden die Laibung aus, also die Mauerfläche um das Fenster. Genau dort schlägt sich dann Feuchtigkeit nieder. Gleichzeitig entweicht die ganze Nacht Wärme. Wer frische Luft zum Schlafen mag, lüftet besser vor dem Zubettgehen kräftig und noch einmal direkt nach dem Aufstehen.
Arbeitszimmer, Keller und Dachgeschoss
Im Homeoffice geht es weniger um Feuchtigkeit als um verbrauchte Luft. Wenn Sie stundenlang am Schreibtisch sitzen, steigt der Kohlendioxidgehalt im Raum. Müdigkeit und Kopfschmerzen sind die Folge. Eine Stoßlüftung zu jeder vollen oder halben Stunde ist hier eine gute Gewohnheit. Weitere Anregungen zum Arbeitsplatz zu Hause stehen in den Ideen für Ihr Homeoffice.
Keller lüften Sie am besten im Winter. Die kalte Außenluft ist trocken. Im Sommer dagegen kann warme Außenluft an den kühlen Kellerwänden kondensieren. Dachgeschosse heizen sich tagsüber schneller auf und kühlen nachts schneller aus. Lüften Sie dort lieber öfter und kürzer.
Lüften bei Regen, Nebel und Frost
Viele Menschen lassen die Fenster bei Regen zu. Sie denken, sie würden sich sonst Nässe ins Haus holen. Im Winter ist das ein Irrtum. Auch nasse Außenluft enthält bei niedrigen Temperaturen absolut gesehen wenig Wasser. Erwärmt sie sich im Raum, sinkt ihre relative Feuchtigkeit stark. Stoßlüften bei Regen ist im Winter also genauso sinnvoll wie an einem trockenen Tag.
Anders sieht es an milden, schwülen Tagen im Frühjahr oder Sommer aus. Dann kann die Außenluft wärmer und feuchter sein als die Luft im Keller. Hier lüften Sie besser in den frühen Morgenstunden.
Bei strengem Frost gilt: lieber kürzer und öfter. Drei Minuten Querlüften reichen, um die Luft auszutauschen, ohne dass die Wände auskühlen. Achten Sie darauf, dass keine Pflanzen direkt im kalten Luftzug am Fenster stehen.
Wer gern Holz verfeuert, findet weitere Hinweise zum Umgang mit dem Ofen im Beitrag über die Wärme eines Holzfeuers am Kaminabend.
Häufige Fehler vermeiden und Energiekosten senken
Der häufigste Fehler ist das Dauerkippen. Ein gekipptes Fenster tauscht die Luft nur sehr langsam aus, kühlt aber die Wand stark ab. Sie verlieren Wärme und gewinnen kaum frische Luft. Wer richtig heizen und lüften will, schließt das Fenster nach wenigen Minuten wieder ganz.
Der zweite Fehler sind Möbel direkt an der Außenwand. Hinter einem Kleiderschrank kann die Luft nicht zirkulieren, die Wand bleibt kalt und feucht. Lassen Sie fünf bis zehn Zentimeter Abstand. Der dritte Fehler ist Wäschetrocknen im Wohnraum ohne zusätzliches Lüften. Eine Maschinenladung nasser Wäsche gibt beim Trocknen mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab.
Ein einfaches Hilfsmittel kostet wenig: ein Hygrometer, also ein Messgerät für die Luftfeuchtigkeit. Stellen Sie es an eine Innenwand im Schlafzimmer und eines ins Wohnzimmer. Nach einer Woche wissen Sie, wann die Werte steigen und wo Sie öfter lüften sollten.
Merkblatt: Richtig lüften im Winter
- Lüften Sie drei- bis viermal täglich stoßweise, bei Frost 3 bis 5 Minuten.
- Drehen Sie vor dem Lüften das Thermostat zu und danach wieder auf.
- Lüften Sie nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen sofort.
- Lassen Sie Fenster im Winter nicht dauerhaft gekippt.
- Halten Sie die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent.
- Rücken Sie Möbel 5 bis 10 Zentimeter von Außenwänden ab.
Was Haustiere ändern
Auch Hunde und Katzen geben Feuchtigkeit ab, ein großes Aquarium sogar sehr viel. Wenn Tiere im Haushalt leben, lohnt es sich, eher am oberen Ende der Lüftungsempfehlung zu bleiben. Achten Sie beim Querlüften darauf, dass Katzen nicht durch das offene Fenster entwischen und dass Türen im Durchzug nicht zuschlagen.